Sonntag, 3. Juni 2012

Zur Nacht

Vorbei der Tag!  Nun lass mich unverstellt
Genießen dieser Stunde vollen Frieden!
Nun sind wir unser;  von der frechen Welt
Hat endlich uns die heilige Nacht geschieden.
     
Lass einmal noch,  eh sich dein Auge schließt,
Der Liebe Strahl sich rückhaltlos entzünden;
Noch einmal, eh im Traum sie sich vergisst,
Mich deiner Stimme lieben Laut empfinden!

Was gibt es mehr!  Der stille Knabe winkt
Zu seinem Strande lockender und lieber;
Und wie die Brust dir atmend schwellt und sinkt,
Trägt uns des Schlummers Welle sanft hinüber.

Theodor Storm

Donnerstag, 31. Mai 2012

Liebeslied

Komm zu mir in der Nacht - wir schlafen engverschlungen.
Müde bin ich sehr, vom Wachen einsam.
Ein fremder Vogel hat in dunkler Frühe schon gesungen,
Als noch mein Traum mit sich und mir gerungen.
Es öffnen Blumen sich vor allen Quellen
Und färben sich mit deiner Augen Immortellen...
Komm zu mir in der Nacht auf Siebensternenschuhen
Und Liebe eingehüllt Spät in mein Zelt.
Es steigen Monde aus verstaubten Himmelstruhen.
Wir wollen wie zwei seltene Tiere liebesruhen
Im hohen Rohre hinter dieser Welt.


Else Lasker-Schüler

Montag, 28. Mai 2012

Himmlischer als die Sterne


"Himmlischer, als jene blitzenden Sterne, dünken uns die unendlichen Augen, die die Nacht in uns geöffnet." 

Novalis (Friedrich von Hardenberg)

 Hymnen an die Nacht

Samstag, 21. April 2012

Zur Nacht

Gut Nacht, du mein geliebtes Leben,
Und Gott sei gnadenreich mit dir!
Es möge ein sanfter Schlummer weben
Die Brücke zwischen dir und mir.
Der Traum mög' uns einander geben,
Ob auch getrennt durch Meilen wir.
Gut Nacht! Du mein geliebtes Leben,
Und Gott sei gnadenreich mit dir.


Am Abendhimmel Wolken ziehen,
Der Mond beglänzt die stille Welt,
Und tausend, tausend Sterne glühen
Licht an dem ewigen Gezelt.
Lass deinen Frieden in uns blühen,
Du, dessen Arm den Himmel hält -
In deine Arme lass uns fliehen,
Wenn unsere Erdenzuflucht fällt.


So lege denn die Segenshände
In Gnaden auf mein fernes Lieb,
Und allen Kummer von ihm wende,
Halt ihn mit treuer Vaterlieb.
Und sel'gen Frieden du ihm spende,
Und wenn er Unrecht tat, vergib!
Und lege mild die Segenshände
In Gnaden auf mein fernes Lieb!

Ida von Conring

Montag, 26. März 2012

Wunderbar ist die Gunst der Hocherhabnen

Wunderbar ist die Gunst der Hocherhabnen und niemand
Weiß, von wannen und was einem geschiehet von ihr.
So bewegt sie die Weit und die hoffende Seele der Menschen,
Selbst kein Weiser versteht, was sie bereitet, denn so
Will es der oberste Gott, der sehr dich liebet, und darum
Ist noch lieber, wie sie, dir der besonnene Tag.
Aber zuweilen liebt auch klares Auge den Schatten
Und versuchet zu Lust, eh es die Not ist, den Schlaf,
Oder es blickt auch gern ein treuer Mann in die Nacht hin,
Ja, es ziemet sich, ihr Kränze zu weihn und Gesang,
Weil den Irrenden sie geheiliget ist und den Toten,
Selber aber besteht, ewig, in freiestem Geist.
Aber sie muß uns auch, daß in der zaudernden Weile,
Daß im Finstern für uns einiges Haltbare sei,
Uns die Vergessenheit und das Heiligtrunkene gönnen,
Gönnen das strömende Wort, das, wie die Liebenden, sei,
Schlummerlos und vollern Pokal und kühneres Leben,
Heilig Gedächtnis auch, wachend zu bleiben bei Nacht.


Friedrich Hölderlin


Montag, 20. Februar 2012

Leise hinter düstrem Nachtgewölbe


Leise hinter düstrem Nachtgewölbe
Tritt des Mondes Silberbild hervor,
Aus des Wiesentales feuchtem Grunde
Steigt derAbendnebel leicht empor. 
Ruhig schlummernd liegen alle Wesen,
Feiernd schweigt des Waldes Sängerchor,
Nur aus stillem Hain, einsam klagend,
Tönet Philomenes Lied hervor.
Schweigend steht des Waldes düstre Fichte,
Süß entströmt der Nachtviole Luft,
Um die Blumen spielt des Westwinds Flügel,
Leis hinstreichend durch die Abendluft.

Georg Büchner

Donnerstag, 9. Februar 2012

Winternacht


Verschneit liegt rings die ganze Welt.
ich hab' nichts,  was mich freuet,
verlassen steht der Baum im Feld,
hat längst sein Laub verstreuet.
    
Der Wind nur geht bei stiller Nacht
und rüttelt an dem Baume,
da rührt er seine Wipfel sacht
und redet wie im Traume. 
    
Er träumt von künft'ger Frühlingszeit,
von Grün und Quellenrauschen,
wo er im neuen Blütenkleid  
zu Gottes Lob will rauschen.

Joseph von Eichendorff

Samstag, 4. Februar 2012

Anacapri bei Nacht

So geisterhaft schimmern
die weißen Häuschen im Mondlicht.
Die Mauern und Kuppeln
wölben sich weich
und besänftigend wie Schnee.
Fern atmet das Meer.
Aus den Gärten strömet Duft
aus tausend blassen
und glühenden Kelchen,
unaufhörlich zu den Sternen ...

Francisca Stoecklin

Donnerstag, 2. Februar 2012

Mein Herz ist wie die dunkle Nacht


Mein Herz ist wie die dunkle Nacht,
Wenn alle Wipfel rauschen;
Da steigt der Mond in voller Pracht
Aus Wolken sacht –
Und sieh, der Wald verstummt in tiefem Lauschen.

Der Mond, der helle Mond bist du:
Aus deiner Liebesfülle
Wirf einen Blick zu mir
Voll Himmelsruh' -
Und sieh, dies ungestüme Herz wird stille.

Emanuel Geibel

                              

Sonntag, 15. Januar 2012

Mann und Frau den Mond betrachtend


Caspar David Friedrich, Mann und Frau den Mond betrachtend

Samstag, 14. Januar 2012

Verklärte Nacht



http://youtu.be/67UwwIer04U

Arnold Schoenberg: Verklärte Nacht (Transfigured Night) / Semyon Bychkov, conductor · Berliner Philharmoniker / Recorded at the Berlin Philharmonie, 10 October 2009.

Freitag, 13. Januar 2012

Nacht und Morgen und wieder Nacht



Als die Sterne sanken,
Als wir Nebel tranken,
Morgen wölbte seine Hand.
Unter seinem Segen
Haben wir gelegen
Wie ein aufgeblühtes Land.

Unsre Felder reiften.
Unsre Jäger streiften
Durch die taubeglänzte Pracht.
Reh durchschritt die Ferne.
Aber wie die Sterne
Sanken wir in unsre eigne Nacht.
Klabund  (Alfred Henschke)