Sonntag, 3. Juni 2012

Zur Nacht

Vorbei der Tag!  Nun lass mich unverstellt
Genießen dieser Stunde vollen Frieden!
Nun sind wir unser;  von der frechen Welt
Hat endlich uns die heilige Nacht geschieden.
     
Lass einmal noch,  eh sich dein Auge schließt,
Der Liebe Strahl sich rückhaltlos entzünden;
Noch einmal, eh im Traum sie sich vergisst,
Mich deiner Stimme lieben Laut empfinden!

Was gibt es mehr!  Der stille Knabe winkt
Zu seinem Strande lockender und lieber;
Und wie die Brust dir atmend schwellt und sinkt,
Trägt uns des Schlummers Welle sanft hinüber.

Theodor Storm